Gettlinge Gravfält zieht sich fast zwei Kilometer entlang der Väg 136 über die westliche Landkante Ölands — eines der größten und am besten erhaltenen vorgeschichtlichen Gräberfelder der Insel. Über 300 Gräber, eine markante Schiffssetzung und eine Windmühle liegen hier mit weitem Blick über den Kalmarsund.
Was dich erwartet
Das Gräberfeld erstreckt sich zwischen den Dörfern Klinta, Gettlinge und Gårdstorp in der Gemeinde Mörbylånga, im Süden der Insel bei Degerhamn. Der Hauptteil liegt westlich der Straße auf der Landkante; einige Gräber finden sich auch östlich davon auf dem offenen Alvar.
Über 300 Grabdenkmäler aus rund 2.000 Jahren stehen hier dicht beieinander, in ganz unterschiedlichen Formen:
- Schiffssetzungen — die größte rund 30 Meter lang, aus 23 aufrechten Granitblöcken, mit etwa 20 eingeschlagenen Schälchen (Cup Marks).
- Steinkreise (domarringar, „Richterringe”), Grabhügel und Steinkisten.
- Aufrecht stehende Steine und kantgestellte Kalksteinplatten.
Mitten auf dem Gräberfeld steht eine Bockwindmühle (stubbkvarn). Gettlinge ist der einzige Ort in Schweden, an dem man eine Windmühle und eine Schiffssetzung zusammen sehen kann — ein Bild, das den Reiz des Ortes ausmacht. Ob die Mühle innen begehbar ist, ist nicht offiziell dokumentiert.
Rund 2.000 Jahre Begräbnisgeschichte
Das Feld wurde über etwa zwei Jahrtausende genutzt — von der jüngeren Bronzezeit (um 1000 v. Chr.) über die Eisenzeit bis in die frühchristliche Zeit (um 1050 n. Chr.). Funde aus der römischen Eisenzeit (etwa 1 bis 400 n. Chr.) zeugen vom Rang der hier Bestatteten: Sporen, Speerspitzen und ein Schildbuckel kamen zutage.
Um 1900 wurden 15 Gräber untersucht — allesamt Männergräber, viele schon zuvor geplündert. Zu den Beigaben zählten Speere, Schilde, Sporen und sogar ein Hund. Der Ort beschäftigt Gelehrte seit Jahrhunderten: Rhezelius zeichnete die Schiffssetzung bereits 1634, Carl von Linné öffnete 1741 ein Grab, und Abraham Ahlqvist beschrieb das Feld 1825. Heute betreut das Statens Fastighetsverk (SFV) die Anlage, das die Verantwortung 2015 vom Riksantikvarieämbetet übernahm.
Besuch & Praktisches
- Anreise & Parken: Gettlinge liegt im Süden Ölands an der Väg 136 nahe Degerhamn — deutlich südlich von Borgholm. Am Gräberfeld gibt es einen Parkplatz mit Informationstafel.
- Eintritt: Frei und ganzjährig zugänglich, keine festen Öffnungszeiten. Der Besuch erfolgt selbstgeführt.
- Dauer: 30 bis 60 Minuten reichen für Schiffssetzung, Mühle und einen Gang über das Feld.
- Beste Zeit: Im Mai und Juni blüht hier das seltene Frühlings-Adonisröschen (våradonis), eine Steppenpflanze. Auch das Abendlicht über dem Kalmarsund lohnt den Stopp. Hinweise zur Saison im Überblick zur besten Reisezeit.
- Hinweis: Das Terrain ist offenes Alvar entlang der Landkante; zur Barrierefreiheit gibt es keine offiziellen Angaben. Die Infotafeln sind auf Schwedisch.
In der Nähe
Gettlinge liegt verkehrsgünstig auf dem Weg in den Süden und lässt sich gut mit den großen Zielen der Südspitze verbinden: der rekonstruierten Ringburg Eketorp, dem Vogelreservat Ottenby und dem Leuchtturm Långe Jan. Wer mehr über die Mühlen der Insel erfahren will, findet Hintergründe im Guide zu den Windmühlen Ölands. Die karge Steppe ringsum gehört zum Welterbe Stora Alvaret.