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Mittelalterliche Kirchen Ölands

Wehrkirchen, Ruinen und Runensteine — Ölands 34 mittelalterliche Kirchen erzählen von Wohlstand und Schutzbedürfnis einer umkämpften Ostsee-Grenze.

Die weiße Kirche von Resmo in idyllischer Landschaft mit charakteristischem roten Bauernhof auf Öland.

Von oeland.de Redaktion · Reiseredaktion

Inhalt

Über die ganze Insel verteilt stehen alte Steinkirchen, von denen die meisten ihren Kern im Mittelalter haben. Sie gehören neben den Windmühlen und Schlössern zu den prägendsten Bauwerken Ölands — und sie erzählen eine eigene Geschichte: von wirtschaftlichem Wohlstand, von der exponierten Lage an einer umkämpften Seegrenze und von einem Schutzbedürfnis, das einigen Kirchen einen regelrechten Wehrcharakter gab. Dieser Ratgeber ordnet ein, was man weiß, und nennt die Kirchen, für die ein Abstecher lohnt.

34 Kirchen aus dem Mittelalter

Auf Öland sind 34 mittelalterliche Kirchen sowie acht Kapellen überliefert. Praktisch jede Kirchspielkirche (Sockenkirche) war schon im Mittelalter eine Steinkirche — gebaut aus dem Kalkstein, der überall auf der Insel ansteht. Im frühen 13. Jahrhundert wurden dann fast alle Kirchen gotisch erweitert und erhielten einen Turm.

Eine Eigenheit Ölands sind die klövsadelkyrkor oder Sattelkirchen, von denen fast die Hälfte der Kirchen geprägt war: Sie trugen je einen Turm an beiden Enden des Langhauses. Im Laufe der Jahrhunderte sind viele dieser Türme wieder verschwunden, doch der Bautyp gehört zum Besonderen der Inselkirchen.

Erhalten ist von der mittelalterlichen Ausstattung längst nicht alles. Mittelalterliche Kalkmalereien sind nur noch in wenigen Kirchen zu sehen — namentlich in Resmo, Gärdslösa, Glömminge, Hulterstad und Ventlinge. Wer Wert auf die originale Bildwelt legt, steuert gezielt diese Orte an.

Wehrkirchen einer Grenzregion

Dass viele Ölandkirchen massiv und wehrhaft wirken, hat einen belegten Grund. Im 12. und frühen 13. Jahrhundert entstanden in allen Kirchspielen Steinkirchen mit klarer Verteidigungscharakteristik — Ausdruck eines wirtschaftlichen Wohlstands bei gleichzeitig spürbarem Schutzbedürfnis. Die Insel lag exponiert an der Ostsee, und wendische Wikinger plünderten sie. Die Kirche bot in unruhigen Zeiten nicht nur geistlichen, sondern auch ganz praktischen Schutz.

Politisch geriet Öland in dieser Zeit unter das Bistum Linköping. Eine Bulle von Papst Alexander III. aus dem Jahr 1177 legte fest, die Pfarreien der Insel alle drei Jahre zu visitieren. Die schwedische Königsmacht kontrollierte Köping und Borgholm, wo Ende des 12. Jahrhunderts ein Kastal entstand — der Vorläufer der späteren Schlossruine Borgholm. Dänen und Schweden lagen in diesen Jahrhunderten oft im Konflikt, was die wehrhafte Bauweise zusätzlich erklärt.

Källa gamla kyrka — das deutlichste Beispiel

Das klarste erhaltene Beispiel einer Wehrkirche ist Källa gamla kyrka im Nordosten, auch Källa ödekyrka (Öde-Kirche) genannt. Ursprünglich besaß sie über dem Kirchenraum zwei zusätzliche Geschosse: unten der Gottesdienstraum, darüber ein Speicher für Lebensmittel und ganz oben Schießscharten zur Verteidigung. Anschaulicher lässt sich die Doppelfunktion einer Ölandkirche kaum erleben.

Der Steinbau wurde um 1170 begonnen und etappenweise bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts ausgebaut; an gleicher Stelle stand schon im 11. Jahrhundert eine Holzkirche. 1880 wurde die alte Kirche aufgegeben, als die neue Källa-Kirche errichtet wurde. Sie verfiel danach, doch ein geplanter Abriss wurde von der Vitterhetsakademien verboten — heute steht das Dach noch, das Innere ist nicht vollständig erhalten.

Seit 2015 verwaltet das Statens fastighetsverk die Anlage, Mieter ist Borgholms slott. Im Sommer ist Källa für Besichtigungen zugänglich und wird für Hochzeiten, Taufen und Konzerte genutzt. Die Kirche liegt an der Straße zum Hafen Källahamn, ungefähr bei 57,11 N / 16,99 O.

Gärdslösa und Resmo — die besterhaltenen Kirchen

Gärdslösa kyrka im Osten der Insel gilt als die am besten erhaltene mittelalterliche Kirche Ölands. Der Westteil des Langhauses und der Turm stammen aus dem 12. Jahrhundert, die Querschiff-Erweiterungen aus dem 13. Jahrhundert. Der gotische Treppengiebel am Chor aus dem späten 13. Jahrhundert gilt als einzigartig für Öland. Das Kreuzgewölbe schuf um 1240 ein als „Gärdslösa-Meister” bekannter Baumeister, die Kalkmalereien stammen von 1498 (Magnus Ingelsson) und 1642 (Peter Bundi). Gärdslösa ist weiterhin aktive Pfarrkirche und im Sommer ein sehr beliebtes Ziel. Die Kirche liegt etwa bei 56,79 N / 16,74 O.

Noch älter ist Resmo kyrka im Südwesten: Sie ist das älteste erhaltene, noch genutzte Kirchengebäude des mittelalterlichen Schwedens. Errichtet wurde sie als klövsadelkyrka mit Turm an beiden Giebeln. Resmo besitzt Ölands größte Suite romanischer Malereien, die ältesten aus dem frühen 12. Jahrhundert — als einzige Kirche der Insel mit romanischen Malereien aus gleich zwei Perioden. Wer sich für die früheste Bildkunst Ölands interessiert, kommt an Resmo nicht vorbei.

Ergänzend sehenswert ist Hulterstads kyrka weiter südlich: Im Boden des Westteils liegen die Grundmauern einer Steinkirche aus dem 12. Jahrhundert, im Inneren sind Kalkmalereien aus dem 15. Jahrhundert sowie Runensteine zu sehen.

Runensteine an und in den Kirchen

Viele Kirchen Ölands stehen auf sehr altem Boden, und an einigen finden sich Runensteine — oft in die Mauern eingebaut, im Waffenhaus aufgestellt oder im Friedhof verteilt. Der lohnendste Ort dafür ist Köpings kyrka in Köpingsvik: Im Waffenhaus zeigt ein kleines Runensteinmuseum eine Auswahl aus rund 75 in und bei der Kirche gefundenen Runensteinfragmenten — ausgestellt sind 24 Fragmente und ein vollständiger Stein. Die Steine stammen aus dem späten 11. und frühen 12. Jahrhundert und waren einst zerbrochen in die Kirchenmauern eingebaut worden. Südlich der Kirche steht außerdem „Tings flisa”, ein rund drei Meter hoher Runenstein.

Eine sprachliche Besonderheit birgt Runstens kyrka: In ihrer Sakristei steht der Stein Öl 31, und der Bjärby-Stein aus demselben Kirchspiel trägt als einziger Runenstein Schwedens das Wort „kyrka” — sinngemäß die Aussage, jemand sei in der Kirche begraben. Auch an Gärdslösa (ein Runensteinfragment im Waffenhaus) und an Resmo (dessen Stein heute im Statens Historiska Museum in Stockholm liegt) sind Runen überliefert.

Den berühmtesten Runenstein Ölands findet man allerdings nicht an einer Kirche: Karlevistenen bei Karlevi an der Westküste, rund zehn Kilometer südlich der Ölandsbrücke, steht im Feld nahe dem Kalmarsund. Der 130 Zentimeter hohe Stein aus dem späten 10. Jahrhundert ist der älteste der Insel und trägt die einzige vollständig erhaltene Skaldenstrophe im Versmaß dróttkvætt auf einem Runenstein. Sie wurde für einen Häuptling gesetzt und erwähnt „Dänemark” — ein passender historischer Auftakt für jede Runen-Tour.

Besuch planen — Saison, Zeiten, Auswahl

Die meisten Kirchen Ölands sind im Sommer als Vägkyrkor (Straßen- oder Sommerkirchen) geöffnet, in der Regel von Mittsommer bis Schulbeginn. 2026 reicht diese Saison etwa von Mitte Juni bis Mitte August, generell sind die Kirchen dann grob zwischen 10 und 16 Uhr zugänglich. Vägkyrkor bieten meist eine tägliche Andacht, eine einfache Bewirtung und eine Toilette. Eintritt wird üblicherweise nicht erhoben.

Die genauen Öffnungszeiten meldet jede Gemeinde jährlich neu an das Stift, daher stehen die exakten Zeiten für 2026 erst kurz vor der Saison fest. Wer offene Kirchen und ihre aktuellen Zeiten sucht, nutzt am besten das von der Schwedischen Kirche empfohlene Verzeichnis Kyrkguiden. Außerhalb der Sommersaison sind viele mittelalterliche Kirchen oft nur von außen zu besichtigen.

Für eine Auswahl in ein bis zwei Tagen bieten sich Gärdslösa, Källa, Resmo und Köping an — sie decken Wehrkirche, besterhaltenen Bau, älteste Malereien und Runensteine ab. Pro Kirche sollte man etwa 30 bis 60 Minuten einplanen. Die Kirchen liegen meist verkehrsgünstig nahe der Hauptstraßen und lassen sich gut mit anderen Zielen verbinden. Wann sich die Insel insgesamt am meisten lohnt, ordnet der Ratgeber Beste Reisezeit für Öland ein; einen Überblick über die weiteren Höhepunkte gibt die Übersicht der Sehenswürdigkeiten auf Öland, und das Pendant aus Inselbaukunst sind die rund 350 Windmühlen.

Häufige Fragen

Wie viele mittelalterliche Kirchen gibt es auf Öland?+

Auf Öland sind 34 mittelalterliche Kirchen sowie acht Kapellen überliefert. Praktisch jede Kirchspielkirche war im Mittelalter bereits eine Steinkirche. Im frühen 13. Jahrhundert wurden fast alle gotisch erweitert und erhielten einen Turm.

Welche Kirche auf Öland sollte man unbedingt sehen?+

Besonders lohnend sind die Wehrkirchen-Ruine Källa gamla kyrka, das gut erhaltene Gärdslösa, das sehr alte Resmo mit romanischen Malereien und Köping mit seinem Runensteinmuseum. Für eine Auswahl reichen ein bis zwei Tage, pro Kirche etwa 30 bis 60 Minuten.

Sind die Kirchen auf Öland frei zugänglich und wann haben sie geöffnet?+

Viele Kirchen sind im Sommer als sogenannte Vägkyrkor geöffnet, in der Regel von Mittsommer bis Schulbeginn und meist etwa von 10 bis 16 Uhr. 2026 reicht die Sommersaison etwa von Mitte Juni bis Mitte August. Eintritt wird üblicherweise nicht erhoben. Außerhalb der Saison sind viele Kirchen oft nur von außen zu sehen.

Wo finde ich aktuelle Öffnungszeiten der Kirchen?+

Die Schwedische Kirche empfiehlt das Verzeichnis Kyrkguiden, das offene Kirchen und ihre Zeiten anzeigt. Die genauen Sommerzeiten meldet jede Gemeinde jährlich neu, daher stehen die exakten Zeiten für 2026 erst kurz vor der Saison fest.